Manipulation leicht gemacht Folge 9

Manipulation leicht gemacht-Ratschläge sind auch Schläge!

„Es kann schon mal passieren, dass ein Kind, das sonst auf Eins steht, mal eine Drei schreibt. Machen Sie sich da am besten keine Sorgen.“

„Keine Sorgen? Sie sind gut! Sie haben ja keine Kinder, um die sich sorgen und ergo keine Ahunung.“

Das ging ja wohl gründlich schief.

Dabei wars doch nur gut gemeint. Ratschläge sind eben auch Schläge!

Was ist hier passiert und wie mache ich es-als Lehrer in dem Fall- besser?

Das vermeintliche Eingreifen in die Freiheit-nämlich so zu fühlen und zu denken, wie er selber will, verstand der Vater als Bevormundung. Er stellt seine Freiheit indirekt wieder her, leider auf Kosten des eigenen Kindes, indem er an seinen Sorgen kleben bleibt.

Eigentlich seltsam-denn-wer macht sich schon gerne Sorgen?

Aber wie immer im Leben ist es auch hier so: Sagt dir jemand, was du zu tun oder zu lassen hast, willst du genau das auf keinen Fall.

Oder anders herum: Du darfst das und das nicht haben? Dann willst du es auf jeden Fall!

Wie manipuliere ich den Vater so, dass er mir gerne zuhört?

„Es kann vorkommen, dass ein Einser-Kandidat auch mal einen schlechten Tag hat. Haben wir alle mal. Achten Sie bitte darauf, ob die Drei der letzten Arbeit einen Abwärtstrend markiert.“

„Wie kann ich das machen?“

„Sie könnten sich abends gemeinsam 10 Minuten Schulgespräch reservieren-oder was fiele Ihnen ein?“

Die Elternkompetenz steht jetzt im Vordergrund, Unterstützung wird angeboten, nicht aufgedrängt.

Freuen Sie sich nicht zu früh, wenn Sie hören:

„Jaja, ist ja gut, mache ich.“, denn das das eigentlich Aggression auf jeden Fall aber Flucht bedeutet, haben Sie sicher auch schon am eigenen Leib erfahren.

Aggression ist ein deutliches Zeichen für misslungene Einflussnahme, zu deutsch Manipulation.

M: Manipulation ist per se nichts Schlechtes- aus dem lateinischen übersetzt heisst es nichts weiter als Handhabung.

Interessant wird es erst, wenn wir uns fragen: Zu welchem Zweck wird sie eingesetzt?

Wem soll durch geschicktes Taktieren mehr Macht zugeschanzt werden, wem soll genützt werden?

Hier ganz klar dem Kind. Es soll vor dem Ärger des Vaters geschützt werden.

Ich danke Alexander Roggenkamp, Jost Schneider und Thorsten Rother für ihre grossartigen Beispiele in dem Buch :“ Schwierige Elterngespräche erfolgreich meistern.“, erhältlich als ebook.